Stadtspektakel - Entstehungsgeschichte

Stadtspektakel Landshut Stadtspektakel Landshut - alle Kuenstler

Es war Ende August und ich war nach 4 Jahren in der Nähe von Frankfurt jetzt gerade mal 2 Wochen wieder zurück in Landshut. Da flatterte das Wochenblatt rein und ich las darin etwas vom Stadtspektakel. Über 200 Künstler sollen da auftreten und alles soll draußen in der Altstadt sein und alle Künstler spielen für den Hut. Das klang schon mal interessant, also zum Telefonhörer gegriffen und Jürgen angerufen. Ja kennt er, hat er schon vor einem Jahr angeschaut. Wäre es ein Filmthema? Ja wäre sicher interessant. Zwei Wochen später haben wir uns mit den Ausrichtern Martin Hilz und Kelly Baumann verabredet. Wenn wir filmen, dann wollten wir auch eine offizielle Erlaubnis haben, denn wir wollten ja auch mit den Künstlern sprechen, es sollte eine richtige Reportage werden, die nicht aus dem off, sondern live erzählt und kommentiert wird. Die Ausrichter waren von unserer Idee, auch wenn sie uns noch nicht kannten, ganz angetan und haben uns Presseausweise versprochen. Gesagt getan, das Wochenende eilte schnell heran. Wir überlegten uns, was und wie wir filmen wollen und das wir das Ganze auch in HD aufnehmen wollten. Thomas von unserem Landshuter Club, versprach uns zu helfen. Das hat dann zwar nur am Freitag geklappt, aber er hat uns für den Rest des Wochenendes seine Kamera geliehen, so dass wir mit 2 HD Kameras von Sony arbeiten konnten.

Stadtspektakel Landshut - Gifant Stadtspektakel Landshut - Mr. Vita

Am Freitag nahm Thomas und Jürgen nur die Eröffnung auf, danach schauten wir uns verschiedene Acts an und sprachen schon mit einigen Künstlern, die alle sehr freundlich waren und sofort zustimmten, uns auch Interviews zu geben. Im Regelfall dauerten die Auftritte immer ca. 45 Minuten. Das konnten wir nicht komplett filmen und schon gar nicht alle Auftritte, sonst hätten wir mit zwei Kameras inkl. Interview pro Künstler um die zwei Stunden Rohmaterial und es gab wirklich viele gute Acts. Uns war auch klar, dass wir nicht alle Künstler aufnehmen konnten, das ging schon vom zeitlichen Ablauf gar nicht, wir mussten also vorsortieren. Ein Problem waren auch die abendlichen Auftritte in den Lokalen, denn keines der Lokale war mit genügend Licht ausgestattet, viele hatten nicht mal eine Bühne. Ausserdem hatten wir ein zeitliches Problem abends, da viele Auftritte gleichzeit stattfanden und wir noch von einem Lokal ins Nächste kommen mussten. Nachdem wir uns einen Plan gemacht haben, wen wir wann aufnehmen wollten, waren wir Samstag von mittags bis Mitternacht fast ununterbrochen auf Tour. Am Sonntag dann noch einmal den ganzen Nachmittag. Dazwischen mussten wir noch Akkus laden und Kassetten verwalten, wir hatten ja eine Kamera mit Festplatte und eine mit HDV Band.

Stadtspektakel Landshut - Javi Javichi Stadtspektakel Landshut - Maple Staplegun

Das Kopfsteinpflaster in der Landshuter Altstadt machte die Arbeit nicht einfacher. Da wir nach den Auftritten noch warten mussten, um die Interviews zu führen, übrigens mit einem Sennheiser Richtmikrofon von unserem Filmclub, kamen wir zu der nächsten Aufführung natürlich regelmäßig zu spät, der Zuschauerkreis war schon geformt und oft kein richtiges Durchkommen. Wir mussten uns möglichst also in den Kreis mogeln und bezogen dann meistens am Boden an einer freien Stelle Platz um die anderen Zuschauer und die vielen begeisterten Kinder nicht zu stören. Das ging erheblich auf die Knochen, man sollte beim Filmen ja ruhig halten und das im Knien auf großen Pflastersteinen. Wir sprachen uns immer vorher ab, eine Kamera war meistens auf dem Stativ und sorgte für eine ruhige durchgängige Aufnahme der Handlung, die Andere sorgte als Handkamera für Großaufnahmen der Künstler und Zuschauer.

Stadtspektakel Landshut - Faela Stadtspektakel Landshut - La Viajerita

Die Interviews hat dann immer Jürgen geführt, da er sich schon vorher darauf vorbereitet hat und ich habe gefilmt. Eine Schwierigkeit, die wir uns vorher einbildeten, löste sich sofort auf, Künstler, die aus spanisch sprechenden Ländern kamen, sprachen alle Englisch und so konnten wir alle Interviews entweder auf Deutsch oder auf Englisch führen. Im fertigen Film haben wir die Fragen des Interviewers bewusst weggelassen um erstens Filmzeit zu sparen und zweitens, damit die Künstler von sich mehr erzählen können. Die Interviews dienen im Film oft dazu, um besser schneiden zu können. Wenn man sich den fertigen Film anschaut, so wird man bemerken, dass im gesamten Film keine einzige Überblendung oder ein anderer Effekt vorkommen, es sind ausschließlich harte Schnitte. Das ist nicht ganz einfach hinzubekommen, es ist uns da aber meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Alle Interviews klingen im Film auch sehr flüssig, was in Wirklichkeit bei weitem nicht so war. Da ist richtiger Tonschnitt dahinter, oft sich einzelne Wörter oder ganze Sätze weggelassen, um das Interview flüssiger erscheinen zu lassen, ohne den Sinn oder die Aussage zu verfälschen. Ein weiteres Problem waren dann noch Untertitel. Wir haben uns noch vor der Fertigstellung der Kurzversion entschlossen, Untertitel zu verwenden, da wir nicht annehmen können, dass jeder Zuschauer englisch spricht. Alle internationalen Künstler haben zwar englisch gesprochen, aber nicht immer so verständlich, das hat uns auch einiges an Übersetzungsarbeit gekostet. Auch hier wieder enge Zusammenarbeit, Einer übersetzte, der Andere korrigierte und umgekehrt. Nach 3 solchen Durchläufen gab es dann eine einigermaßen sinnvolle und verständliche Übersetzung. Umgekehrt haben wir dann auch noch Untertitel erstellt, denn nicht alle internationalen Künstler sprachen deutsch, also haben wir auch die deutschen Interviews ins Englische übersetzt. Für DVD und YouTube ist es dann einfach, eine der beidem Untertitelsprachen einzublenden. Für die Wettbewerbsfilmversion haben wir die Untertitel direkt im Schnittprogramm platziert.

Stadtspektakel Landshut - Matthias Romir Stadtspektakel Landshut - Firefingers

Geschnitten haben wir übrigens mit dem Schnittprogramm Edius, einem der derzeit wohl besten Schnittprogramme im Low-Cost-Sektor, auf einem handelsüblichen Quad-Core-AMD-PC. Dabei gibt es von jeder Sequenz (gleich Künstler) mindestens eine, meistens mehrere Schnittversionen, die durch immer weitere Kürzungen enstaden. Einmal schnitt einer von uns eine kurze Version und dann ging der andere noch einmal drüber und kürzte noch einmal. Jürgen legte erst im Multikameramodus alle Aufnahmen beider Kameras von allen Künstlern übereinander. Das alleine hat schon viel Zeit in Anspruch genommen. Dann habe ich pro Künstler die Sequenzen, wo beide Kameras liefen herausgesucht und daraus eine erste Version gemacht, die noch keine Interviews enthielt. Diese schnitt wiederum Jürgen kürzer, dann kam nochmal ich und dann nochmal Jürgen und erst dann waren wir bei den 1-2 Minuten pro Künstler.

Stadtspektakel Landshut - Firefingers Stadtspektakel Landshut - Celtica Pipes Rock

Beides haben wir abwechselnd gemacht, so schnitt ich beispielsweise Matthias Romir, Die 3 Herren, Cobario und Gatamolesta, während Jürgen Javi Javichi, Maple Stapelgun, Firefingers und Mr. Vita schnitt. Die unglaublichen Celtica Pipes Rock schnitten wir abwechselnd immer kürzer. Die Idee, den Auftritt von Javi Javichi als roten Faden zu benutzen, entstand nach der Sichtung des Rohmaterials. Während ausser ihm nur noch Mr. Vita einzelne in sich abgeschlossene Sequenzen hatte und wir auch mehrere davon aufgenommen haben, kam sonst niemand in Frage, von den anderen Künstlern hatten wir dafür auch nicht genug Material. Javi war in diesem Fall besser verständlich und hatte die kürzeren und besseren Aussagen, dazu kam eine Menge kleiner lustiger Einlagen, in der längeren Version insgesamt acht Stück, die sich für einen roten Faden sehr gut eigneten.

Stadtspektakel Landshut - Duo Headless Stadtspektakel Landshut - Die 3 Herren

Der Film war von Anfang an so angelegt, dass die Küstler erzählen sollten, ohne das ein Kommentator irgendwas erklären muss. Viele der Aussagen in den Interviews haben wir also zur Erklärung gebraucht und wenn man genau im Film zuhört, ist auch alles erklärt, was man zum Gesamtverständnis des Stadtspektakels braucht. Die Interviews sind auch ein verbindendes Glied, wenn in den Auftritten verschiedene Sachen passierten. Auch hier hat Jürgen aber schon vorgearbeitet und bei allen Interviews Marken gesetzt wo wichtige Passagen zu bestimmten Themen waren, die wir verwenden wollten. Die meisten Kümstler haben wir ja mit Absicht gefragt, wie lange sie das schon machen, was sie noch machen, ob sie das erste Mal in Landshut sind und wie es ihnen denn in Landshut gefällt.

Stadtspektakel Landshut - Martin Hilz Stadtspektakel Landshut - OB Hans Rampf, Martin Hilz, Kelly Baumann

War dann zum Schluss ein Auftritt immer noch zu lang, dann ging nochmal der Andere von uns drüber, denn es ist immer am schwierigsten sich super gelungenen Aufnahmen zu trennen, die aber weder Handlung noch Ablauf vorantreiben. Nach dem ersten Schnittdurchlauf waren wir noch bei fast 40 Minuten. Die haben wir dann durch weitere Kürzungen auf ca. 32 Minuten gebracht. Damit wir aber auf die gewünschten 20 Minuten kommen, mussten wir uns für die Kurzversion von einigen Auftritten einfach trennen. Manchmal fiel ein Künstler der Schere zum Opfer, weil wir ihn oder sie gar nicht so gut aufgenommen haben oder wir nichts Abgeschlossenes an Handlung hatten, die anderen Male trennten wir uns für die Kurzversion von einem Künstler, weil wir merkten, dass der Auftritt den Film an der Stelle nicht voranbringt. Das galt dann sehr oft für die musikalischen Auftritte.

Stadtspektakel Landshut - Maple Staplegun, OB Hans Rampf Stadtspektakel Landshut - OB Hans Rampf

Auch diesmal war für uns Beide dieses sehr umfangreiche Projekt auch sehr lehrreich und auf manche Punkte würden wir heute noch etwas mehr achten (z.B. mehr Zuschaueraufnahmen ohne Klatschen oder mit Lachen), bzw. einige Punkte auch anders machen. Aber insgesamt sind wir aber mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.

So entstand aus ungefähr zwölf Stunden Rohmaterial, die mit zwei Sony-Kameras am Wochenende 17. bis 19. September 2010 aufgenommen wurden, die 20-minütige Kurzversion vom Stadtspektakel, welche beim Bundesfilmfestival Report in Köln eine Goldmedaille bekam und bei den Deutschen Filmfestspielen 2011 in St. Wolfgang/OBB gezeigt wurde. Es gibt noch eine umfassendere Version mit ca. 32 Minuten, wo mehr Künstler vorkommen, sowie 14 weitere kleinere Filme für die einzelnen Künstler. Sowohl die längere Versionen als auch die Einzelfilme entstanden übrigens nach der Kurzversion. Alle Filme liegen auf YouTube im 1080p Format vor und können jederzeit von Interessierten und auch allen Künstlern angeschaut werden.

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